Bahnlärm und kein Ende?

Vor einigen Wochen hat der Berufsabenteurer Andreas Kieling Sankt Goarshausen zum lautesten Ort Deutschland gekürt.


Das ist eine zweifelhafte Ehre, aber es nützt nichts, gegen diese Antiwerbung zu protestieren.
Statt dessen müssen wir uns fragen: Was können wir für ein ruhigeres Mittelrheintal tun?

Fragebögen beantworten – bringt uns das weiter?

Vor ein paar Wochen hatte das Eisenbahnbundesamt aufgerufen, einen Bahnlärm-Fragebogen auszufüllen. Mit den Ergebnissen aus dieser Umfrage wird dann ein Lärmaktionsplan erstellt. Aber rasche Verbesserungen bringt der nicht. Weder wird sich schnell etwas ändern, noch haben wir einen Anspruch darauf, dass die Bahn aufgrund der Umfrage-Ergebnisse etwas gegen den Lärm tut.
Deshalb ruft die Bürgerini „Pro Rheintal“ jetzt ihrerseits dazu auf, diesen Fragebogen auszufüllen. Darin sollen alle Lärmquellen, nicht nur der Lärm durch Züge dargestellt werden.
Ich denke, dass möglichst viele Betroffene den Fragebogen ausfüllen sollten. Es kann nichts schaden und unterstützt die, die sich gegen den Lärm engagieren. Schon deshalb ist es nützlich.

Ohren auf: Was ist zu tun?

Die Nacht, das Wochenende, der Urlaub, das sind die Zeiten, in denen sich Menschen erholen wollen. Wenn das hier wegen des Lärms nicht möglich ist, dann ist die Zukunft es Mittelrheintals düster. Und je mehr Menschen wegziehen, desto weniger bleiben über, die Druck machen und helfen, das Ruder herumzureißen.
Als ich herkam dachte ich noch, man könne das Problem weglächeln. Aber das funktioniert nicht. Deshalb habe ich ein paar Ideen gesammelt, was wir außer Fragebögen ausfüllen noch tun können.

  • Der eigenen Wahrnehmung trauen, die eigenen Interessen vertreten. „Du bist zu empfindlich“, „Anderswo ist es noch schlimmer“, „Dann zieh doch woandershin“ – so lauten die Versuche, das Thema beseite zu schieben. Hier hilft nur, sich auf die eigenen Sinne zu verlassen und Verharmlosungsversuche zu ignorieren.
  • Alle Aspekte benennen: Es ist nicht nur der Bahnlärm, der nervt. Auch die übrigen Lärmquellen müssen auf die Tagesordnung. Vor allem der Verkehrslärm auf den beiden Bundesstraßen B9 und B42. Und die Frage, was die geplante Vertiefung der Schifffahrtsrinne zwischen St.Goarhausen/St. Goar und Mainz/Wiesbaden für Auswirkungen haben wird.
  • Politikern auf die Füße treten: Politiker und Politikerinnen haben viel um die Ohren. Und hören dabei die am besten, die am lautesten schreien. Wer im Landtag oder im Bundestag sitzt, wohnt seltenst selbst zwischen Schiene und Bundesstraße und kriegt auch deshalb von der Realität hier im Tal wenig mit. Deshalb: Wann immer wir Kontakt zu Entscheidungsträgern aus der Politik haben, müssen wir auf das Lärmproblem hinweisen und fragen, was die jeweilige Person/Partei dagegen tut.

Ohren zu und durch ist keine Lösung. Denn unsere Gesundheit, unsere Häuser, die Natur und der Tourismus in der Region sind Werte, für die sich zu kämpfen lohnt.

Zum Fragebogen der BI Pro Rheintal

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