Keine Wohnmobile mehr am Kran

Eigentlich schade, oder?

Große Wohnmobile stehen direkt am Rheinufer, im Hintergrund der Loreleyfelsen

Je größer, desto besser? Wohnmobile versperrten Wandern und Spaziergängern den Blick und den Weg (Mai 2018)

Seit Donnerstag ist die Einfahrt zum Krangelände nur noch für Anwohner erlaubt. Für viele Wohnmobilisten, die das schöne Oktoberwochenende hier verbringen wollten, kam das sicher überrraschend. Und mancher Anwohner war überrascht, dass sich hier nun doch noch etwas getan hat. Denn die neue Regelung hat eine lange Vorgeschichte.

Verkehrszeichen 250 mit Zusatz Außer Anwohner

Verbot für Fahrzeuge aller Art (Außer Anwohner) Neues Schild seit 11.10.18

Die verkehrsbehördliche Anordnung von der Verbandsgemeindeverwaltung (VG) kam im Februar 2017, also vor gut anderthalb Jahren. Darin hieß es, dass diese Schilder an allen drei Zufahrten zum Krangelände aufzustellen seien. Zu der Zeit vertrat ich gerade den damaligen Stadtbürgermeister Heinz-Peter Mertens. Ich hielt es für übertrieben, gleich das gesamte Gelände zu sperren, und meldete an die VG-Verwaltung, dass statt der drei Schilder nur eins aufgestellt werden sollte, nämlich an der hinteren Abfahrt, die ins Landschaftsschutzgebiet führt. Dort nämlich gibt es immer wieder die besonders Dreisten, die denken, der beste Platz im romantischen Rheintal – natürlich kostenlos – wäre für sie gerade gut genug.

Schild Landschaftsschutzgebiet, dahinter mehrere Wohnmobile, im HG Loreleyfels

Landschaftsschutzgebiet? Mir doch wurscht

Das sieht zum einen scheußlich aus. Und zudem hat es Signalwirkung. Die Botschaft: In Sankt Goarshausen nimmt man es nicht so genau. Regeln muss man hier nicht ernst nehmen, hier gilt das Recht des Stärkeren. Oder des Dümmeren? – Wenn man die Wildcamper im Landschaftsschutzgebiet ansprach, bekam man meistens Antworten wie „Ach, hier darf man nicht reinfahren? Wusste ich gar nicht.“ Deshalb sollte ein Schild, das JEDER kennen muss, das Einfahrtverbot verdeutlichen.

Auf dem Gelände vor dem Kran dagegen (Abfahrt gegenüber dem Stadtturm), glaubte ich, könnte man die Wohnmobile dulden. Deshalb bat ich die Verwaltung, die verkehrsbehördliche Anordnung zu ändern. Allerding führte mein Änderungsantrag dazu, dass nun anderthalb Jahre gar nichts mehr passierte. Weiterhin fuhren PKW und Wohnmobile ins Landschaftsschutzgebiet, weiterhin parkten PKW-Fahrer auf der Durchreise, um mal schnell – vermeintlich unbeobachtet – an eine der alten Betonmauern zu pinkeln oder ihren Müll mal eben in den Rhein zu entsorgen. Das haben Anwohner immer wieder berichtet, und die Spuren sind nicht zu übersehen.

alter rostiger Krangreifer

Die alten Greifer stehen, wie der Kran selbst, unter Denkmalschutz. Sie sollen bald saniert werden …

leere Kaffedose, Alufolie und gefüllte Fäkalienbeutel im Innern des Krangreifers

… und werden immer wieder als illegale Mülleimer missbraucht.

Und was ändert sich nun an diesem wunderschönen Platz im romantischen Oberen Mittelrheintal?

Erstmal wohl nicht viel. Mit der Entscheidung, den gesamten Platz zu sperren, hat man meiner Ansicht nach das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Gastronomen und Gewerbetreibenden sind sauer, weil sie meinen, hier würde ihre Kundschaft vergrault. Die Anwohner sehen frustriert, dass sich viele nicht an die neue Regel halten und trotzdem wieder mit ihren Wohnmobilen das Gelände belegen. Die Camper glauben offenbar, ihr Gewohnheitsrecht stehe über der StVO.

Cabrio mit Staubwolke im Landschaftsschutzgebiet, dahinter Wanderer

Frechheit siegt, es gilt das Recht des Stärkeren? Der lonesome Playboy in seinem Cabrio kümmert sich nicht um Einfahrtverbote

Und weiterhin hält sich das hartnäckige Gerücht, Mitglieder des örtlichen Angelvereins hätten Sonderrechte und dürften mit ihren PKW ins LSG fahren. Das trifft nicht zu. Nur bei Veranstaltungen des Vereins wie „Anangeln“ und „Abangeln“ gilt eine Ausnahme für die Mitglieder. Das sagte mir der Stadtbürgermeister. Aktualisierung am 21.10.: Inzwischen hat mein Stadtratskollege Reiner Reckermann mir die Sondergenehmigung für den Agelsclub Loreley zugeschickt. Darin heißt es, dass die Mitglieder des Angelclubs Loreley e.V. das Ufergelände befahren und während der Ausübung des Angelsports dort parken dürfen und dass Veranstaltungen des Vereins dort stattfinden dürfen. – Also doch kein Gerücht! – Dank für die Aufklärung an Reiner Reckermann!

Nun darf man gespannt sein, ob das Ordnungsamt die neue Regelung auf dem Krangelände auch durchsetzt. Wenn nicht, ist das einmal mehr das Signal, dass es hier zugeht wie im Wilden Westen: Regeln gelten nur, solange sie uns in den Kram passen.

Aber so pessimistisch soll dieser Artikel natürlich nicht enden. Ich habe deshalb dem Bürgermeister vorgeschlagen, die neue Kranplatz-Regelung auf der Internetseite der Stadt bekannt zu machen und um Verständnis dafür zu werben. Außerdem könnte er an die paar Wohnmobil-Portale schreiben, die im Internet den Platz als Stellplatz anpreisen. Er sollte auch dort die neue Situation bekanntmachen und darauf hinweisen, dass es einen offiziellen Campingplatz in Sankt Goarshausen gibt!

Bessere Kommunikation kann hier, wie so oft, zum Erfolg führen. Und noch ein Nachtrag: Natürlich nehmen die meisten der Camper ihren Müll mit und werfen ihn nicht in die Landschaft. Die meisten sind nette Menschen, die die Natur lieben, und ich habe mit einigen gute Gespräche geführt. Mit anderen Worten, der Untertitel „Schade, oder?“ ist keinesfalls ironisch gemeint.

9 Kommentare

  1. Dummerweise hat der Campingplatz nicht ganzjährig geöffnet. Nachdem schon Wellmich weggefallen ist werden die Geschäfte in St. Goarshausen auf mich verzichten müssen und die Anwohner dürfen die Bahntrasse alleine ertragen. Auch wenn nicht vergleichbar(!!!), sollte man sich die Mosel als Beispiel nehmen, wie man Touristen anziehen kann, die nicht nur ein paar Stunden verweilen.

    • Danke für Ihren Beitrag, Horst. Der Stadtrat wird sich das Thema nochmal vornehmen und prüfen, wo Standplätze für Wohnmobile ausgewiesen werden können.

      • siehe oben

        Vielen Dank für die Rückmeldung.
        Ich laufe seit Jahren im Winterhalbjahr Etappen auf dem Rheinburgenweg und dem Rheinsteig. Auf der linken Rheinseite (Rheinburgenweg) gibt einige Stellmöglichkeit für größere Reisemobile. Rechtsrheinisch ausser Braubach nichts. Der kostenlose Platz am Kran war natürlich optimal (wenn auch laut!). Ich bin auch gerne bereit für einen Platz zu bezahlen, wie auch auf der linken Rheinseite, wobei Preis und Leistung passen sollten. Auch die Gaststättenbetreiber würden sich freuen.
        MfG
        Horst Hergenhan

        • Vielen Dank für die konstruktiven Hinweise! Ich werde das Thema nochmal in die Gremien tragen. Ich hoffe, ich verspreche nicht zu viel wenn ich sage, dass Sie nächsten Winter einen offiziell ausgewiesenen Stellplatz vorfinden werden. 🙂 Wir arbeiten auf jeden Fall daran, die Stadt für Gäste wie für Einheimische attraktiver zu machen.

  2. Sehr geehrte Frau Vetters,

    vorweg sei Ihnen gesagt, dass ich über dieses drastische Ende nicht überrascht bin. Dazu aber später mehr.

    Meine Frau und ich haben den Kranplatz oft und gerne für längere Wochenenden angesteuert und das nicht weil er kostenlos war, sondern weil er etwas Besonders war. Die Lage zur Altstadt, die Wandermöglichkeiten und der abendliche Ausblick auf Wasser und Schiffe. Oft haben wir in St. Goarshausen gegessen, getrunken und genossen. Die kleine Weinstube im Keller sei hier besonders erwähnt. Wir haben das Hobby Wohnmobil aber verantwortungsvoll ausgelebt, für uns galt ein Maßstab, wenn wir einen Platz wieder verlassen, bemerkt niemand das wir da waren. Kein Müll, keine Grillkohle, kein was auch immer, nur Reifenspuren im Sand.

    Jetzt komme ich aber zum großen Knackpunkt der das Hobby Wohnmobil immer schwerer macht, wenn wir ankamen und es war kein Platz, dann hatten wir Pech, wir haben uns niemals in das Naturschutzgebiet gestellt oder die „Parkflächen“ der Anwohner blockiert. Es gab aber immer Zeitgenossen die aus dem einmaligem Aufenthalt ein Gewohnheitsrecht abgeleitet haben und sich alle Rechte genommen haben. Ihr Bild im Artikel ist da bezeichnend, was hat das das Wohnmobil hinter dem Schild „Naturschutzgebiet“ zu suchen? Richtig, nichts! Ich habe zwar niemanden dabei gesehen wie er seine Abfälle an der Mauer entsorgt hat, wundern würde es mich aber auch nicht.

    Gleichartiges haben wir auf einem einzigartigen Platz mitten im Hafen von Norden Norddeich erlebt. Dort wurden Wohnmobile immer geduldet, heute sind Wohnmobile dort verboten. Ich habe selbst erlebt wie ein Wohnmobilfahrer sein Grauwasser (Abwässer aus Dusche und Waschbecken) einfach über den Hafenplatz in die Nordsee abgelassen hat. Es wurde Strom gestohlen und die Schiffe die diesen zum wichtigen Vorheizen der Maschinen benötigen dafür einfach abgesteckt. Darauf angesprochen habe ich nichts als Unverständnis und blöde Kommentare geerntet. Das Ende vom Lied ist, dass der offizielle Platz mit dem Charme eines Parkplatzes die letzte Möglichkeit ist in Norden-Norddeich zu übernachten. Genau da verliert mein geliebtes Hobby aber seinen Reiz, ich mag keine uniformen Parkplätze oder Massenabfertigungen, ich mochte immer das Individuelle was aber immer weiter zerstört wird.

    Realistisch gesehen ist die jetzt getroffene Entscheidung die Einfahrt zu verbieten der einzig gangbare Weg, ein Appellieren an den gesunden Menschenverstand wird nur zu weiterer Frustration führen. Ohne das ich vor Ort war, würde ich wetten das immer noch Wohnmobile den Platz ansteuern und dort stehen, getreu nach dem Motto die Regeln zählen für alle anderen, ich war ja schon immer hier.

    Ich bin gespannt wie sich das Ganze weiter entwickelt, aber ich habe die Befürchtung das der geplante Stellplatz nicht mehr den Charme der vergangenen Zeit haben wird.

    Viele Grüße
    Chris

    • Lieber Chris,
      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Sie beschreiben die Situation sehr kenntnisreich aus verschiedenen Blickwinkeln und treffen den Nagel auf den Kopf: Es gibt immer ein paar schwarze Schafe, die sich unangemessen verhalten. Um dem einen Riegel vorzuschieben werden schließlich drastische Verbote verhängt, und alle müssen es ausbaden. So auch hier. Nur Ihre Vermutung, dass noch immer Wohnmobile auf dem Platz stehen, trifft (fast) nicht zu. Anfangs war das der Fall, aber inzwischen wurde wohl so oft kontrolliert, dass sich die neue Regelung durchgesetzt hat.
      Ich vermute, dass mehr Wohnmobilisten nun den Campingplatz besuchen. Hin und wieder sehe ich auch Wohnmobile auf dem neuen Busparkplatz stehen. Der ist gebührenpflichtig und deutlich weniger naturnah als der Kranplatz, aber für einige offenbar eine Alternative. Außerdem gibt es auf der Loreley einen Stellplatz, der ist naturnah, aber eben entfernt vom gastronomischen Angebot in Sankt Goarshausen, das Sie ja offenbar auch nutzten und schätzten.
      Ich hoffe natürlich, dass Sie trotzdem weiterhin ins Mittelrheintal kommen und bald auch wieder einen Lieblingsplatz fürs Wohnmobil finden.
      Alles Gute
      Katrin

  3. Horst Rostek

    Verehrte Frau Katrin Vetters!
    Mit Bedauern habe ich heute die Verbotsbeschilderung im Uferbereich des alten Krans in St.Goarshausen vorgefunden und daraufhin Ihre Beitrag im Netz gelesen. Ungeachtet der „Vorgeschichte“ in Ihrem Ort ist eine ähnlich Vorgehensweise auch anderorts zu beobachten. Offenbar ist es aus Sicht der Gemeinden vorteilhafter ein Verbot zu veranlassen und dessen Durchsetzung durch Ordnungskräfte zu kontrollieren, anstatt ein paar Abfallbehälter aufzustellen und das Parken im angemessenen Rahmen kostenpflichtig zu machen (4,6,8,12,24 Std. Tickets). Wer, wie auch meine Gattin und ich, mit dem Wohnmobil unterwegs ist, bevorzugt vielfach genau solche Stellplätze und keine Campingplätze. Wie auch viele andere lassen wir unser Geld gerne beim örtlichen Einzelhandel und der Gastronomie, aber offenbar ist man auf die Wohnmobilisten als Kunden und Gäste nicht angewiesen. Gerade wo in jüngster Zeit viele Mittelrheingemeinden am klagen sind. Wie schon ein anderer Kommentator bemerkt hatte, an Mosel und anderswo, auch im benachbarten Ausland bekommt man in Form von attraktiven Stellmöglichkeiten eine andere Art von Wertschätzung. Ja, es gibt ein paar schwarze Schafe unter den Wohnmobilisten, und nein im Landschaftsschutzgebiet braucht auch keiner zu stehen. Aber wenn von den Anwohnern jemand ständig „Wildpinkler“ und „Müllsünder“ beobachtet, könnte er ja nach Einführung von Kostenpflicht für Stellplätze und aufstellen von Abfallbehältern Tickets verkaufen und kontrollieren (vielerorts praktiziert). Aber möglicherweise ist die Stellmöglichkeit ja auch den Campingplatzbetreibern der Umgebung ein Dorn im Auge. Jedenfalls bedauern wir es sehr den Stellplatz nicht mehr nutzen zu können.
    Mit freundlichen Grüßen,
    H.Rostek
    PS. (haben nie im LSG gestanden und habe sämtliche Abfälle mitgenommen)

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